LEIERN GELENKE AUS?

Selbst unter Menschen, welche Chiropraktik kennen und schätzen, wird ab und an bekundet: „Man darf das nicht zu oft machen.“ Eine Begründung für diesen Glaubenssatz ist das angebliche Ausleiern der Gelenke.
Dieses Denken deutet auf eine Tragik hin, welche weit über die Thematik der Chiropraktik hinausgeht.
Frage dich einmal: Ist dein Körper so wie ein Pullover oder ein verschraubtes Möbelstück? Oder unterscheidet dich vielleicht etwas von diesen Gegenständen?
Die Frage ist nur halb rhetorisch gemeint. Denn eben hierin liegt die Verdrehung im Denken. Auch wenn wohl die meisten ausrufen würden, dass es einen klaren Unterschied gibt zwischen ihrem lebendigen Körper und einem Stuhl, lassen sich eben jene verunsichern durch die Idee, man könnte in ihrem Körpersystem von außen etwas verrücken, manipulieren, verändern. Und das womöglich zu oft an einer Stelle, die dadurch dann ausleiert.
Das ist aber ein Mythos. Wenn auch einer, der sich wacker hält.
In der Chiropraktik heißt es schon von Beginn an, dass ein jedes Körpersystem in sich intelligent ist. Diese Intelligenz äußert sich unter anderem darin, dass ein Körper sich an Impulse aus der Umwelt anpasst.
Vereinfacht (und für viele Menschen sehr alltagsrelevant) dargestellt:
Wenn ein Mensch tagein tagaus auf seinem Sessel sitzt, passt sich die Muskulatur des Körpers an diese Position an. Die Hüftbeuger verkürzen. Da diese Muskeln an der unteren Wirbelsäule verankern, werden sie in aufrechter Position an dieser ziehen, so dass der Mensch nach vorne gebeugt laufen muss und/oder es im Rücken weh tut.
Auch wenn das auf den ersten Blick nicht schlau wirken mag, ist es doch eine intelligente Form der Anpassung. Eben an das, was dieser Mensch im Alltag tut.
Ebenso verhält es sich mit Ernährung. Und sogar mit Gedanken.
Da die meisten Leute ihr Leben lang dieselben Gedanken und Glaubenssätze pflegen, aus welchen dieselben Verhaltensweisen und Entscheidungen resultieren, bleiben auch die Impulse, die auf das Körpersystem einwirken, gleich- und Gedanken und Verhaltensweisen verfestigen sich.
Das ist ein positives Feeback-System. Ein Teufelskreis. Ungewünschte Symptome im Körper- zu denen ja auch ausgeleierte Gelenke zählen würden- sind auf diese eingegroovten Mechanismen zurückzuführen.
Selbst wenn im schlimmsten Fall ein Therapeut ein Jahr lang drei Mal die Woche immer dieselbe Stelle drückte, würde dies lediglich zu den oben genannten Mechanismen beitragen. Es würde nichts kaputt machen. Aber halt auch nichts verbessern.
Eine gute Justierung jedoch unterbricht den Teufelskreis. Sie zeigt das auf, was lange oder nie in Frage gestellt wurde. Das kann verbal sein, indem auf den Zusammenhang zwischen Sitzverhalten und Hüftbeugern hingewiesen wird (wie oben geschehen). Das kann aber auch über den Körper geschehen, indem ein gezielter Impuls eingeschlafene (weil traumatisierte oder zu selten genutzte) neurologische Pfade zwischen Gehirn und Muskulatur ins Leben zurückruft.
Eine gute Justierung verschafft dem Gehirn einen größeren und besseren Überblick über die Abläufe im Körper und damit dem Körpersystem eine optimierte Führung. So kann sich das System von innen heraus verändern.
Eine gute Justierung bringt Schwung in lang eingeschleifte Automatismen. Die Bewegungsabläufe, die vorher meist jahrelang zu Abnutzung an bestimmten Stellen geführt haben, sind zumindest abgeändert und nach einigen Justierungen im besten Fall so optimiert, dass eben das Gegenteil zu Verschleiß und „Ausleiern“ entsteht:
Ein System, welches sich durch gut funktionierende interne Kommunikation täglich wieder neu an die (ja auch nicht immer gleichen) Umstände des Lebens anzupassen weiß.