HAST DU EIN KURZES BEIN?
Hast du ein kurzes Bein?
Vielleicht hat dich vor vielen Jahren mal ein Mensch darüber unterrichtet, du habest ein kurzes Bein. Womöglich wurde dir dafür dann auch Therapie angeboten oder Einlagen verschrieben.
Oder aber du wurdest dankenswerterweise direkt darüber aufgeklärt, dass ALLE Menschen IMMER ein kurzes Bein haben und das sogar unter bestimmten Voraussetzungen der GESUNDE ZUSTAND ist?
Nein?
Dann lass uns an dieser Stelle erklärend eingreifen!
Deine Beine hängen in deinem Becken, welches wie ein solches geformt ist. Die beiden seitlichen Knochen tragen den lateinischen Namen Ilium und bilden die äußeren Begrenzungen der Beckenschale. Der Knochen zwischen den Ilia wird Sakrum genannt und bildet den untersten Teil der Wirbelsäule.
Die großen Gelenke zwischen dem Sakrum und den beiden Ilia werden folgerichtig Ilio-Sakral-Gelenke genannt, kurz ISG.
Bei jedem Schritt, den du vor den anderen setzt, kippt ein Ilium nach hinten, das andere nach vorne, wie bei einer Schere. Somit erdet dein Standbein stabil und dein Schwungbein pendelt frei. Das heißt: Das Standbein ist in diesem Moment länger, das Schwungbein ist kürzer. Ganz praktisch eingerichtet, oder?
Beim nächsten Schritt tauschen die Seiten, so dass das andere Bein frei schwingen kann. Es sei denn…
…es liegt eine störende Subluxation vor, entweder direkt im ISG oder, was fast immer der Fall ist, weiter oben in der Wirbelsäule. Selbst eine Subluxation im Bereich der Halswirbelsäule kann einen solchen Zug entlang des Körpersystems ausüben, dass ein Bein permanent auf Spannung ist – und dadurch kurz bleibt, auch wenn es eigentlich die Rolle des Standbeins übernehmen sollte.
Das Resultat: Der Körper läuft nicht rund (oft übrigens zu Lasten der Knie und des unteren Rückens).
Ein durch oben beschriebenes Szenario entstandener Unterschied in der Beinlänge nennt man funktionelle Beinlängendifferenz.
Die Lösung ist einfach: Die richtigen Blockaden finden und justieren.
Es kommt jedoch auch mal vor, dass eine strukturelle Beinlängendifferenz vorliegt, ein Bein also wirklich weniger Zentimeter misst als sein Kollege. Zugrunde liegen meistens Erkrankungen oder Verletzungen während der Wachstumsperiode oder, häufiger, vergangene Operationen an Knie oder Hüfte. Nur in diesem Fall kann es ratsam sein, mit Einlagen auszugleichen.
Wenn du also gut justiert bist und dir jemand mitteilt, du habest ein „kurzes Bein“, kannst du voller Freude ausrufen: Gut so!
