Dörte Jenett

FRÜHKINDLICHE REFLEXE-
WARUM SIE AUCH IM ALTER NOCH EINE ROLLE SPIELEN

Frühkindliche Reflexe sind automatische Bewegungsmuster, sie entstehen bereits im Mutterleib und begleiten uns in den ersten Lebensjahren. 

Sie helfen Babys dabei,
• geboren zu werden
• zu atmen
• den Körper aufzurichten
• sich sicher in der Welt zu bewegen.

Man kann sie sich vorstellen wie Stützräder an einem Fahrrad. Am Anfang sind sie unverzichtbar, denn sie geben Halt, Sicherheit und Orientierung.
Doch irgendwann sollten sie sich Schritt für Schritt zurückziehen.

Wie sich aktive Reflexe äußern können

Manchmal lösen sich diese Reflexe nicht vollständig.
Die Stützräder bleiben dran und sie greifen weiter ein – oft unbemerkt, aber dauerhaft.

Bei Kindern zeigt sich das häufig durch:

•Konzentrationsschwierigkeiten
• große Unruhe oder tiefe Erschöpfung
• emotionale Überreaktionen
• Schwierigkeiten beim Schreiben, Lesen oder Lernen
• ein dauerhaft hohes Maß an innerer Anspannung.

Bei Jugendlichen äußert es sich oft als:

• schneller Stress, Überforderung
• Rückzug oder starke Reizbarkeit
• Lernblockaden
• fehlendes Körpergefühl
• das Gefühl: „Ich gebe mir solche Mühe – und es reicht trotzdem nicht.“

Und bei Erwachsenen zeigten sie sich oft durch:

• dauerhafte Anspannung
• Erschöpfung, obwohl „eigentlich alles okay ist“
• Schlafprobleme
• innere Unruhe
• das Gefühl, nie ganz im eigenen Körper anzukommen.

Was können wir tun?

Viele Menschen versuchen, die Stützräder mit dem Kopf abzubauen durch Gespräche, Disziplin, Strategien.

Doch frühkindliche Reflexe sitzen nicht im Denken, sondern im Nervensystem. Und das lernt nicht durch Erklären – sondern durch Erleben.
Der Körper braucht Bewegung, Wiederholung und Sicherheit. Bewegung als Schlüssel also.

In der Reflexintegration meiner Arbeit begleite ich Menschen mit sanften, gezielten Bewegungsübungen, die an die frühkindliche Entwicklung erinnern. Man könnte sagen: Der Körper bekommt die Möglichkeit, seine Entwicklung zu Ende zu erzählen. Die Stützräder dürfen sich lösen.

Oft zeigt sich das in:
• mehr innerer Ruhe
• besserer Konzentration
• stabileren Emotionen
• einem klareren Körpergefühl.

Nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt. So, wie Entwicklung gedacht ist.